Schatten bluten nicht

(frei nach einer Geschichte von Bruce D. Arthurs)

In grauer Vorzeit als der Gott der Christen die Herzen der Völker im Abendland noch nicht beherrschte, erhob sich ein Tyrann um über das Land zu herrschen. Ein grausamer Hexer, der mit Dämonen paktierte um seine Macht zu stärken.
Zwei Rudel machten sich auf um ihn zu vernichten, sie kämpften mit Mut und Schläue. Führten den Feind in die Irre und töteten zahlreiche seiner Fußsoldaten. Doch es gelang ihnen nicht die Stadtmauern einzunehmen. Was auch immer sie planten, der Feind schien zu wissen was sie vorhatten, und so wurde die Zeit knapp. Der Winter eilte mit großen Schritten näher. Und so fern vom Caerngebiet wären sie ihm schutzlos ausgeliefert.
Läuft-im-Schatten, eine junge Ragabash, der Schattenlords schlich sich in einer dunklen Neumondnacht davon. Sie sah ihren Weg klar vor sich. Und mit Geschick und List gelangte sie ins Innere der Festung. Ihres Sieges sicher huschte sie von Schatten zu Schatten zum Schlafzimmer des Usurpators. Da! Ein Geräusch! Blitzschnell und leise verschwand sie in einer Vorratskammer. Während sie darauf wartete, dass die Luft wieder rein wurde, flammte plötzlicher Schmerz in ihrem Bauch. Licht flackerte auf. Der Hexenmeister stand vor ihr, flankiert von zwei seiner Dämonen. Läuft-im-Schatten sackte zu Boden als die Silberklinge ihre Bauchdecke und ihre Eingeweide zerschnitt. Roter Zorn wollte sich in ihr regen, doch wusste sie, einen direkten Kampf konnte sie nicht gewinnen und rang ihn nieder.
„Na, wen haben wir denn da, wenn das nicht die kleine Lieblingsschlampe, meines ach so fürchterlichen Gegners ist“, spottete der Hexer.
„Er wird wohl sehr betrübt sein.“
Er musterte sie, und Läuft-im-Schatten schloss aus seinem Verhalten, dass er nicht wusste was Garou wirklich sind. Woher er das mit dem Silber wusste war ihr angesichts seiner offenkundigen Ahnungslosigkeit ein Rätsel.
„Bist ja fast ein wenig mager. Vielleicht sollte ich mal ausprobieren was an dir so dran ist.“
Er grinste und kniff ihr brutal in die Brust und fasste ihr in den Schritt. Sie biss sich die Lippen blutig um nicht vor Schmerz zu schreien und die Kontrolle zu verlieren.
„Oh, du scheinst gerade unpässlich zu sein“, sagte er mit einem Blick auf seine blutigen Finger.
„Vielleicht sollte ich wieder kommen wenn, deine Blutungen aufgehört haben, was meinst du? In etwa drei Stunden dürfte es soweit sein, dann hat das Gift gewirkt, und du bist noch warm!“
Er drehte sich um und ging und seine Dämonen folgten ihm. Gift! Verzweifelt schrie Läuft-im-Schatten innerlich auf. Sie starb, das wusste sie, aber sie durfte nicht versagen, alles hing von ihrem Erfolg ab. Und so konzentrierte sie sich auf eine alte Technik, die sie dereinst von ihrer Mentorin erlernt hatte. Sie begann das Mantra: „Schatten bluten nicht, Schatten bluten nicht, Schatten bluten nicht!“
Der Schmerz verebbte, der Strom aus Blut und Exkrementen geriet ins stocken und versiegte. Sie wusste sie konnte dieses Mantra nur mehr zehn Minuten aufrechterhalten, und sie spürte das Gift kalt in ihren Venen brennen. Sie musste sich beeilen.

Wenige Tage später betrat der Alpha ihres Rudels den Schlafraum des Hexenmeisters, dieser lag verkrümmt in seinem eigenem Erbrochenem und Kot. Ein seltsames Fieber hatte die Stadt nahe zu leergefegt. Keiner der Getreuen, des Hexers lebte noch.
„Mein Alpha? Kommst du? Sie wurde gefunden.“
Als der Alpha an den Brunnen trat, zogen sie gerade ihren bleichen Körper aus dem Wasser. Keine Spur von Blut oder Exkrementen war mehr an ihrem Körper zu finden.


Vertraute Worte
Cliath der Kinder Gaias,
Galliard, bei den Menschen geboren,
Mitglied im Rudel "Der Ausgleich"
Kind von Einhorn





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