Flammenblick

Viele halten die Nachfahren des Fenris für die Wildesten der Garou. Und Flammenblick war der Wildeste unter den Nachfahren des Fenris. Es holten sich nicht nur seine Klauen immer wieder große Beute, auch konnte niemand seinem Blick standhalten, denn in seinen Augen glomm die Wut des Mars und die Fenris’ zugleich. Wenn er erfüllt war von Zorn, loderte sein Blick auf und ließ einen Jeden, der ihm ausgesetzt war, das Fürchten lernen. Flammenblick lebte für den Kampf. Roch er das Blut erschlagener Feinde, dann fühlte er sich lebendig. Doch Flammenblick hatte nie verstanden, worum er wirklich kämpfen sollte. Gaia war für ihn nicht mehr als ein Wort, die Welt der Geister nur ein weiteres Schlachtfeld. Er lebte die Litanei, weil man es eben so machte und nicht, weil sie ihm viel bedeutet hätte. Und doch waren die Garou froh, dass er auf ihrer Seite stritt und nicht auf der des Wyrm.

Eines Tages galt es wieder, einige Tänzer zu erschlagen, welche sich zu einem unheiligen Ritual zusammen gefunden hatten. Rotagar des Stammes hatten herausgefunden, wo und wann dieses Ritual stattfinden sollte. Flammenblick drang mit seinem Rudel in düstere Katakomben vor. Früh hörten sie schon die Schreie der Gefolterten und die Gesänge der Gefallenen. Das Rudel stürmte einen Raum, an dessen Wänden widerlich verstümmelte Leichen hingen. Die Tänzer schienen sich an diesen gütlich getan zu haben, denn es waren Stücke aus den Leichen herausgebissen worden.
Flammenblick wusste, dass seine Leidenschaft heute neue Nahrung erhalten würde. Die Feinde waren zahlreich, doch Flammenblick wütete unter ihnen und schnell stand er tief im Blut der Tänzer. Obwohl seine Klauen blutige Ernte eingefahren hatten, waren sie lange nicht befriedigt, als sich keiner ihm mehr entgegen stellte. Sein Blick zuckte umher, streifte über sein eigenes Rudel, welches unter seinem Feuer zusammenzuckte und vermeinte schon, nichts weiteres lebendes mehr zu sehen, als er mitten im Blut, zwischen all diesen Erschlagenen, ein Wesen wahrnahm.
Es war ein kleiner Junge, welcher sich nun dem Blick voll Zorn des größten Kriegers gegenüber sah. Doch anstatt sich zusammen zu kauern voll Furcht, blickte dieses Kind den Fenrir nur an und – lächelte. Zum ersten Mal in seinem Leben spürte Flammenblick eine Unsicherheit. Irritiert sah er dieses kleine Wesen an und senkte sein Antlitz. Noch nie hatte er so etwas erlebt.
Seit diesem Tag wusste Flammenblick, wofür er zu kämpfen hatte: Für das Lächeln eines Kindes.

erzählt von
Immanuel
Welpe der Silberfänge
Geboren unter dem Theurgenmond






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