Der erste Ronin

Text: Der Idee des ersten Ronin stammt von White Wolf, aus dem "Book of the Wyrm - Second Edition" von den Seiten 129 und 130.
Der Text wurde von C. Jonait frei ins deutsche übertragen und von H. Krebs überarbeitet.
Diese Nutzung des Inhaltes stellt keinen Angriff auf das Urheberrecht von White Wolf dar. Noch ist es ein Angriff auch die Verwertungsrechte von White Wolfs ehemaligem Lizenznehmers "Feder & Schwert".


In einer Zeit in der die Stämme noch nicht existierten und die Garou noch ein einiges Volk waren, geschah es, dass ein Metis geboren wurde. Viele sagen heute, dass es der erste Metis war. Andere sagen, dass es nicht richtig ist einem Metis in einer Geschichte zuviel Relevanz zu gewähren und verweisen darauf, dass es einfach nur ein Metis war. Wieder andere sagen, dass das Kind in dieser Geschichte überhaupt kein Metis gewesen sein, doch warum sonst, sollten sich Garou einem Kind gegenüber so verhalten, wie es in dieser Geschichte beschrieben wird. Wie auch immer, ich sage euch, es war ein Metis und so beginnt die geschochte damit, dass die Mutter im Kindbett starb und der Vater erschlagen ward, wie es gerecht ist.
Doch sind Gerechtigkeit und Gefühle immer zweierlei. Zu wissen, dass etwas gerecht ist heißt noch lange nicht dies auch dem Herzen klar machen zu können. Und so waren die Herzen der Sippe voller Trauer und Wut ob des Todes zweier Garou.
Das Kind, in Kriegsgestalt geboren, zog alsbald den Zorn der Sippe auf sich. Hatte es sich doch in der Kriegsgestalt den Weg aus dem Leibe der Mutter gebahnt und ward es zudem auch noch gar schrecklich anzusehen.
So kam es, dass die Garou das Kind verstießen. Der eine mag sagen, dass dies falsch war, der andere, dass man das Kind besser erschlagen hätte. Doch solches Verhalten ist menschlich, doch bei den Tieren, die Gaias Lebensweise im Herzen tragen, ist es normal, das jene ausgesetzt und zurück gelassen werden, die schwach, krank oder hilflos sind. Und wenn eine Mutter ein Junges nicht stillt oder seine Geschwister es vom Futter fernhalten, dann stirbt es. Und so taten es die Garou damals, wie Gaia es lehrte. Doch es heißt auch, dass es in den Liedern und Geschichten bis dahin noch nicht vorgekommen war, dass ein Garou verstoßen wurde.
Und so wurde das Kind ausgesetzt in der Hoffnung, dass es alsbald der Tot ereilen würde. Doch hatte es in der Kriegsgestalt das Antlitz Gaias erblickt und war entsprechend wesentlich zäher und härter als andere Kinder. Auch reifte sein Körper schneller heran als bei anderen. Und so überlebte das Kind als unerwünschtes Produkt einer Gesellschaft, die mit etwas derartigem nicht vertraut war.
Der Bann, den die Sippe über das Kind gesprochen hatte, wurde von Boten im ganzen Land verbreitet und wo es auch hin kam, dort wurde es verjagt. Einigen Ortes mit warnendem Knurren und Heulen, anderen Ortes mit Zähnen und Klauen.
Die wenigen Menschen, die es antraf nahmen ebenfalls vor ihm reißaus. War es doch nicht in der Lage seine Gestalt zu ändern. Wölfe akzeptierten das Kind ebenfalls nicht. Aus ihrer Sicht war es eine Missgeburt vor der Sie sich schützen mussten. Und so kam es, dass sich das Kind, das zum ersten Ronin der Geschichte geworden war ganz allein auf Gaias Welt wiederfand.
So heulte es seine Angst, seine Frustration und seine Einsamkeit über die nächtlichen Hügel, doch niemand antwortete, auch Luna und Helios lehnten es ab. Mehrere Monate ging das so und das Kind verbitterte zusehends während es heranwuchs. Das Gift des Wyrms kroch langsam in seine Seele und vergiftete seinen Verstand. Und eines Nachts antwortete dem Geheul des Ronins ein anderes Heulen.
Ein Heulen wie es widernatürlicher nicht hätte sein können. Gackernd, keckernd, hoch und kalt. In wilder Freude darüber nicht länger einsam zu sein hetzte das Kind durch die Wälder auf die Quelle des Geheuls zu. Bis es an einer Lichtung einen kränkliches Wesen antraf. Doppelt so groß wie ein Wolf, in etwa wie ein Garou in Hispo, doch ausgemergelt und dürr. Das Fell ward ihm teilweise ausgefallen, teilweise hing es in Fetzen seinen Körper hinab. Die Augen brannten rot vor Hass und Gier, Zähne und Klauen waren aus Silber, wo sein Fuß die Erde berührte verdorrten die Pfalnzen rundumher und ein Geruch wie ein Pesthauch umgab es.
Nahe bei lag ein Wolf den es wohl geschlagen haben musste und von dem es scheinbar gefressen hatte. Der Metis war schockiert und doch neugierig. Er war schon so lange allein gewesen, dass seine Einsamkeit ihn zum bleiben trieb. Hatte er doch nie gelernt, dass man weder Mensch noch Wolf noch Garou fressen sollte. Und so trat er zögernd auf seinen Gegenüber zu, der sich ihm näherte und durch seine Körpersprache dazu einlud die Beute mit ihm zu teilen.
Das erste mal in seinem Leben erfuhr der Ronin so etwas wie Zuneigung auch wenn es die falsche, schmeichlerische, Gaia verachtende Zuneigung des Wyrms war. Und so fraß er mit dem Wesen zusammen von dem Wolf. Doch das Fleisch ward vergiftet und noch während der Metis fraß überkamen ihn unbändiger Zorn und Gier. Und als nur noch blutige Fetzen und abgenagte Knochen von dem Wolf übrig waren, da waren seine Augen rot vor Zorn und seine Zähne und Klauen waren aus Silber. Das Fleisch wich vor Zähnen und Klauen zurück weshalb Blut aus Maul und Läufefn troff. Und sein Zorn auf all jene die ihn verstoßen hatten war stärker als niemals zuvor.
Seitdem jagt der erste Ronin all jene von uns, die sich allein in die Wälder begeben. Besonderes Augenmerk legt er dabei auf andere Verstoßene, andere Ronin, denn er hasst diese Art der Bestrafung besonders und will Sie noch grausamer machen auf dass wir die Garou Sie eines Tages aufgeben. Ob Sie nun gerechtfertigt sein mag oder nicht.
Der erste Metis lebt und jagt noch heute. Niemand bekommt ihn jemals zu Gesicht und überlebt, denn er zerreißt jedes seine Opfer gnadenlos und seien Sie auch die mächtigsten Ahroun. Nur gemeinsam entgeht man diesem Übel denn der Ronin scheut Gemeinschaften.
Es sei jedem selbst überlassen was er davon halten mag. Ich habe diese Geschichte zu Anfang auch für eben dies gehalten. Eine Geschichte. Doch seit wir die Leiche von "Call to Arms", menschgeborener Ahroun der Silberfänge und mein Freund seit der Welpenzeit zerrissen im Wald fanden sehe ich diese Geschichte mit anderen Augen.


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